Lüftung im Gebäudebestand
drexel und weiss
Vom Anspruch über die Planung bis zur Umsetzung
Kontrollierte Lüftung hat sich im Neubau inzwischen weitgehend etabliert – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Im Gebäudebestand führen vorhandene bauliche Gegebenheiten und technische Einschränkungen zu anderen Anforderungen – oft mit dem Ergebnis, dass auf lüftungstechnische Lösungen unnötig verzichtet wird.
Zwischen Energieeffizienz, Nutzerkomfort und -verhalten sowie baulichen Gegebenheiten entscheidet sich in der Praxis vor allem eines: ob sich Lösungen tatsächlich umsetzen und zuverlässig wie auch energetisch effizient betreiben lassen.
Ein luftdichtes und energetisch effizientes Gebäude benötigt keine dauerhaft geöffneten Fenster für gute Raumluftqualität und hohen Komfort, sondern einen bedarfsgeregelten, kontrollierten Luftwechsel.
Das Motto: „So gut wie möglich und nicht mehr als nötig.“
Technisch lässt sich beides bereits heute optimal verbinden.
Im Bestand entscheidet die Umsetzung.
Das klassische deutsche „Kippfenster“ ist einfach – aber weder berechenbar noch risikofrei aus thermischer und bauphysikalischer Sicht.
In der Praxis zeigt sich das deutlich:
Schon bei normaler Nutzung steigen CO₂‑Werte in Klassen- oder Büroräumen häufig schnell über 1500 ppm CO₂ Raumluftkonzentration – mit spürbaren Auswirkungen auf Konzentration, Leistungsfähigkeit und Gesundheit.
Kippfenster und Stoßlüften können die Behaglichkeit beeinträchtigen und zu Zugerscheinungen führen. Hinzu kommen Risiken wie Feuchteschäden durch Einregnen, eine erhöhte Einbruchgefahr in unteren Geschossen sowie unkontrollierbare Wärmeverluste und starke Temperaturschwankungen im Tagesverlauf.
Dabei
- hängt die Luftqualität stark vom Verhalten der Nutzer ab.
- ist Luftwechsel nicht konstant und wetter- bzw. nutzerabhängig.
- sind Energieverluste nicht planbar.
Weder Luftqualität noch Energieeinsatz sind somit verlässlich reproduzierbar. Konstante Luftqualität allerdings braucht ein System – nicht nur Gewohnheit.
Kontrollierte Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung ermöglichen:
- definierte Luftwechselraten nach Nutzerverhalten und -bedarf.
- gleichmäßige Luftqualität bei hoher Behaglichkeit.
- die effiziente Rückgewinnung von Wärmeenergie von bis zu 40 % dank hocheffizienter Wärmetauscher.
- die aktive Nachtauskühlung von belüfteten Räumen bei sommerlicher Hitze mit minimalem Energieeinsatz, ohne Klimagerät und somit auch im Sommer angenehme raumklimatische Bedingungen.
Im Gebäudebestand stellt weniger die Technik selbst die Herausforderung dar, sondern ihre Anpassung an die vorhandenen baulichen Bedingungen. Unterschiedliche Anforderungen im Bestand erfordern dabei individuell angepasste und optimierte Lüftungslösungen, basierend auf Erfahrung und fachlicher Expertise.
Bestandsgebäude bringen eigene Rahmenbedingungen mit wie:
- begrenzte Platzverhältnisse für Luftkanäle und Lüftungsgeräte.
- komplexe architektonische Strukturen und asymmetrische Raumgeometrien.
- Anforderungen durch den Denkmalschutz, durch Nachbargebäude oder durch bauliche Gegebenheiten am Standort.
- den Umbau während einer bestehenden Gebäudenutzung.
Daraus ergeben sich in der praktischen Umsetzung typische Ausführungsfehler:
- Zu geringe Leitungsdimensionierung (kleine Querschnitte) und zu viele Leitungsbögen und Abzweiger (Druck- und Effizienzverluste).
- Weglassen von Telefonie- und Anlagenschalldämpfern.
- Vernachlässigung der Anforderung an den Brandschutz z.B. bei Durchdringung von Brandschutzabschnitten mit der Leitungsführung.
- Zu geringe Volumenströme gegenüber dem tatsächlichen Bedarf.
- Fehlerhafte Platzierung von Luftein- und -auslässen und somit Beeinträchtigung von Behaglichkeit und leisem Anlagenbetrieb.
- Fehlerhafte und unterlassene Einregulierung der Luftvolumenströme führt zu Effizienzverlusten.
Das erfordert Lösungen, die sich im weiteren Anlagenbetrieb noch optimieren lassen. Und das ohne große Um- und Anbauten.
In der Praxis bewähren sich Lösungen, welche:
- unter dem Ansatz „keep it simple – mach es so einfach wie möglich“ durch Hersteller, Fachplaner
und ausführende Fachbetriebe geplant und installiert werden - bedarfsgerecht frische Luft auch für einzelne Nutzungseinheiten bereitstellen
- den Nutzern begrenzte Möglichkeiten zur Anpassung bieten, etwa bei Volumenströmen oder der Nachtauskühlung.
Dazu zählen unter anderem dezentrale und semizentrale Lüftungskonzepte, bei denen Räume einzeln versorgt werden – etwa dezentrale Klassenzimmerlösungen wie dem drexel und weiss aeroschool.
Ein wesentlicher Vorteil:
Luftmengen können direkt am Raum eingestellt und überprüft werden, ohne ein komplettes Gebäudenetz ausbalancieren zu müssen.
Gerade im Bestand wird eine fachlich und qualitativ hochwertige Ausführung zum entscheidenden Faktor.
Häufige Ursachen für Kundenreklamationen und fehlerhafte Lüftungssysteme sind:
- mangelhaft eingestellte Volumenströme
- fehlende Einregulierung
- fehlerhaft geführte Luftleitungen und platzierte Luftein- und -auslässe
- fehlende Abstimmung mit der tatsächlichen Nutzung
Nicht die Technik fällt aus – sie wird falsch betrieben.
Gefragt sind daher:
- Kenntnis der Kunden- / Nutzenanforderungen und Übereinstimmung mit den technischen Leistungen der ausgewählten Lüftungslösung / Lüftungsanlage.
- Fachgerechte, normgerechte und hygienisch einwandfreie Installation und Inbetriebnahme
- konsequente Einregulierung
Qualität zeigt sich nicht im Produkt, sondern in der einwandfrei funktionierenden Lüftungsanlage.
Fazit
Lüftung im Gebäudebestand folgt anderen Regeln als im Neubau.Ausgereifte wie auch bewährte technische Lösungen für unterschiedliche Anforderungen sind am Markt verfügbar. Entscheidend für die Zufriedenheit der Nutzer und die Effizienz einer Lüftungslösung ist, dass sie zum Gebäude und zu den Nutzeranforderungen passt und unter realen Bedingungen richtig umgesetzt wird.